Josemaría Escrivá Obras
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Die Kirche ist keine politische Partei, auch keine Gesellschaftsideologie und ebensowenig eine Weltorganisation für die Eintracht oder den materiellen Fortschritt - bei aller Anerkennung für die Ehrlichkeit dieser oder ähnlicher Unternehmungen. Die Kirche hat immer eine riesige Arbeit zum Wohl der Bedürftigen, der Leidenden, ja all jener geleistet, die irgendwie an den Folgen des einzigen wirklichen Übels zu tragen haben, nämlich der Sünde, und sie leistet sie noch weiter. Und allen - den in irgendeiner Form Notleidenden und jenen, die glauben, die Fülle der irdischen Güter zu genießen - ruft die Kirche immer wieder eine einzige, entscheidende Sache ins Gedächtnis: daß unsere Bestimmung eine ewige und übernatürliche ist, daß wir nur in Jesus Christus das Heil für immer finden und daß wir nur in Ihm auch in diesem Leben schon irgendwie den wahren Frieden und das wahre Glück erlangen können.

Betet jetzt mit mir gemeinsam zu Gott, unserem Herrn, daß wir Katholiken niemals diese Wahrheiten vergessen und daß wir uns entschließen, sie in die Tat umzusetzen. Die katholische Kirche bedarf nicht der Gutheißung der Menschen, denn sie ist Gottes Werk.

Als Katholiken werden wir uns erweisen, wenn wir Früchte der Heiligkeit hervorbringen, denn die Heiligkeit erlaubt keine Grenzziehungen und ist nicht Eigenrecht dieses oder jenes menschlichen Partikularismus. Als Katholiken werden wir uns erweisen, wenn wir beten, wenn wir versuchen, uns unentwegt an den Herrn zu wenden, wenn wir uns immer und in allen Dingen bemühen, gerecht zu sein - im weitesten Sinne des Begriffes Gerechtigkeit, dem heutzutage nicht selten eine materialistische, irrige Prägung gegeben wird -, wenn wir die persönliche Freiheit der übrigen Menschen lieben und verteidigen.

Ich erinnere euch noch an ein weiteres deutliches Kennzeichen der Katholizität der Kirche: die treue Bewahrung und Spendung der Sakramente, so wie sie von Christus eingesetzt wurden - ohne menschliche Verdrehungen und ungebührliche Versuche, sie psychologisch oder soziologisch umzufunktionieren. Denn niemand kann über etwas verfügen, das der Gewalt eines anderen unterliegt, sondern nur über Dinge, die seiner eigenen Gewalt unterstehen. Da nun die Heiligung des Menschen der Gewalt des heiligenden Gottes anheimgegeben ist, hat der Mensch nicht die Befugnis, nach seinem eigenen Gutdünken festzusetzen, was ihn zu heiligen habe; dies ist vielmehr durch göttliche Einsetzung zu bestimmen (Thomas von Aquin, S. Th. III, q. 60, a 5). Gewisse Versuche, das universale Wesen der Sakramente zu schmälern, wären vielleicht zu rechtfertigen, wenn es dabei um bloße Zeichen ginge - um Symbole, die nach den natürlichen Gesetzen des Verstehens und Begreifens wirksam sind. Aber die Sakramente des Neuen Gesetzes sind gleichzeitig Ursachen und Zeichen. Deshalb wird allgemein gelehrt, daß sie bewirken, was sie bezeichnen. Aus diesem Grund entsprechen sie vollkommen dem Sakramentsbegriff, da sie nämlich auf Heiliges hingeordnet sind, und zwar nicht nur als Zeichen, sondern auch als Ursachen desselben (Ebd., q. 62, a. 1 ad 1).

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