Josemaría Escrivá Obras
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Wenig Reife würde beweisen, wer angesichts der Fehler und Schwächen eines Menschen, der der Kirche angehört - mag er aufgrund seiner Funktion auch noch so hoch stehen -, spüren würde, daß sein Glaube an die Kirche oder an Christus sich verringert. Die Kirche wird weder von Petrus noch von Johannes noch von Paulus regiert. Sie wird vom Heiligen Geist regiert, und der Herr hat verheißen, daß Er an ihrer Seite bleiben wird alle Tage bis ans Ende der Welt (Mt 28,20).

Hört, was der heilige Thomas weiter über diesen Punkt sagt, wenn er vom Empfang der Sakramente handelt, die Ursache und Zeichen der heiligmachenden Gnade sind: Wer zu den Sakramenten geht, empfängt sie zwar aus den Händen des Dieners der Kirche, aber nicht insofern er diese konkrete Person, sondern insofern er Diener der Kirche ist. Solange die Kirche ihm daher gestattet, sein Amt auszuüben, verbindet sich derjenige, der aus seinen Händen das Sakrament empfängt, nicht mit der Sünde des unwürdigen Dieners, sondern mit der Kirche, deren Diener dieser ja ist (Thomas von Aquin, S. Th. III. q. 64, a. 6 ad 2). Wenn der Herr also erlaubt, daß die menschliche Gebrechlichkeit zu Tage tritt, muß unsere Reaktion so sein, als wäre unsere Mutter erkrankt oder als wäre sie beleidigt worden: sie mehr lieben, ihr äußerlich und innerlich deutlicher unsere Zuneigung beweisen.

Wenn wir die Kirche lieben, wird sich in uns niemals jene krankhafte Sucht melden, der Mutter für die Erbärmlichkeiten einiger ihrer Söhne die Schuld zuzuschieben. Die Kirche hat als Braut Christi nicht den geringsten Anlaß, irgendein mea culpa anzustimmen. Wir schon: Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa! Das ist der echte Meaculpismus, der persönliche nämlich, und nicht jener, der die Kirche angreift, indem er menschliche Mängel aufzeigt und übertreibt, die an dieser heiligen Mutter durch das Handeln der Menschen in ihr hervorgerufen werden, soweit die Menschen dies vermögen, denn sie werden nie zerstören, ja nicht einmal antasten können, was wir die ursprüngliche und konstitutive Heiligkeit der Kirche genannt haben.

Gott, unser Herr, hat die Kirche mit einer Tenne verglichen, in der die Spreu zusammen mit dem Weizen aufgehäuft wird, aus dem man Brot für den Tisch und Brot für den Altar bereitet. Er hat die Kirche mit einem Schleppnetz verglichen, ex omni genere piscium congreganti (Mt 13,47), das, ins Meer geworfen, gute Fische fing und schlechte, die man dann wegwerfen wird.

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