Josemaría Escrivá Obras
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(Die Kirche ist heilig) Jetzt werden wir besser verstehen, wie die Einheit der Kirche die Heiligkeit mit sich bringt und wie eines der wichtigsten Zeichen ihrer Heiligkeit gerade die im Geheimnis des Einen und Dreifaltigen Gottes wurzelnde Einheit ist: ein Leib und ein Geist, wie auch eure Berufung euch eine Hoffnung gegeben hat. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen (Eph 4,4-6).

Heiligkeit bedeutet, genau genommen, nichts anderes als Verbindung mit Gott: je inniger sie ist, desto mehr Heiligkeit gibt es. Die Kirche ist von Christus gewollt und gestiftet worden, der so den Willen des Vaters erfüllt; die Braut des Sohnes besitzt den Beistand des Heiligen Geistes. Die Kirche ist das Werk der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Sie ist heilig, und sie ist Mutter, unsere heilige Mutter Kirche. Wir können an der Kirche eine zweifache Vollkommenheit bewundern, die wir einerseits die ursprüngliche, andererseits die endzeitliche oder eschatologische Vollkommenheit nennen können. Auf beide nimmt der heilige Paulus in seinem Brief an die Epheser Bezug: Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, um sie durch das Wort in der Wassertaufe zu reinigen und zu heiligen. Auf diese Weise wollte Er sich eine Kirche bereiten, strahlend rein, ohne Flecken und Runzeln oder dergleichen, sondern heilig und makellos (Eph 5,25-27).

Die ursprüngliche und konstitutive Heiligkeit der Kirche kann verhüllt sein - niemals allerdings vernichtet werden, denn sie ist unzerstörbar: die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen (Mt 16,18) -, sie kann vor den Augen der Menschen in Zeiten einer nahezu alles durchdringenden Dunkelheit verborgen bleiben. Aber der heilige Petrus bezeichnet die Christen als gens sancta (1 Petr 2,9), als heiliges Volk. Und als Glieder eines heiligen Volkes haben alle Gläubigen die Berufung zur Heiligkeit erhalten und müssen sich daher anstrengen, der Gnade zu entsprechen und persönlich heilig zu sein. Im gesamten Verlauf der Geschichte und auch in unseren Tagen hat es viele, viele Katholiken gegeben, die sich wirklich geheiligt haben: Junge und Alte, Ehelose und Verheiratete, Priester und Laien, Männer und Frauen.

Allerdings hat die persönliche Heiligkeit zahlloser Gläubiger - damals wie heute - nichts Theatralisches an sich. Häufig fallen uns die gewöhnlichen, einfachen, aber heiligen Menschen nicht auf, die mit und neben uns arbeiten und leben. Ein irdischer Blick bleibt eher an der Sünde und an der versagten Treue haften: das sind aufsehenerregendere Dinge.

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