Josemaría Escrivá Obras
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Homilie, gehalten am 12. Oktober 1947

Zuweilen hört man sagen, heute gäbe es weniger Wunder als früher. Ist es nicht vielleicht so, daß es heute weniger Menschen gibt, die aus dem Glauben leben? Gott kann seinen Verheißungen nicht untreu werden: Erbitte von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, zu deinem Besitz die Grenzen der Erde (Ps 2,8). Gott ist die Wahrheit, der Grund alles Seienden: Nichts geschieht ohne seinen allmächtigen Willen.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit (Doxologie Gloria patri). In Gott gibt es keinen Wechsel; Er braucht nicht nach etwas zu streben, das Er nicht hätte, denn Er ist die Fülle des Tätigseins und der Schönheit und der Erhabenheit, heute wie gestern. Der Himmel wird wie Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen (...); doch mein Heil besteht in Ewigkeit, und meine Gerechtigkeit nimmt nie ein Ende (Jes 51,6).

Gott hat in Jesus Christus den neuen, den ewigen Bund mit den Menschen geschlossen. Er hat seine Allmacht in den Dienst unseres Heils gestellt. Wenn die Menschen mißtrauisch werden und in mangelndem Glauben erzittern, vernehmen wir von neuem Isaias, der im Namen des Herrn verkündet: Ist denn mein Arm verkürzt, um zu erlösen, oder gebricht es mir an Kraft zu retten? Seht, schon durch meinen Unmut lasse ich das Meer vertrocknen und wandle Ströme zur Wüste, so daß die Fische darin verschmachten, weil sie kein Wasser haben und aus Durst umkommen. Ich kleide den Himmel in Trauer und umhülle ihn mit dem Bußgewand (Jes 50,2-3).

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