Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Liebe zur Kirche > Loyal zur Kirche > Textabschnitt 19
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Aber was ist die Kirche? Wo ist die Kirche? Benommen und verwirrt erhalten viele Christen keine sichere Antwort auf diese Fragen und verfallen vielleicht auf den Gedanken, daß die Antworten, die das Lehramt Jahrhunderte hindurch gegeben hat - und die die guten Katechismen mit einer das Wesentliche erfassenden Genauigkeit und Einfachheit wiedergaben -, überholt sind und durch neue ersetzt werden müssen. Es scheint, daß verschiedene Ereignisse und Schwierigkeiten zusammengetroffen sind und das reine Antlitz der Kirche entstellt haben. Einige behaupten: Hier ist die Kirche - im Eifer, sich an die sogenannte moderne Zeit anzupassen. Andere schreien: Die Kirche ist nichts anderes als das Streben der Menschen nach Solidarität; wir müssen sie umgestalten, wie es die heutige Situation erfordert.

Sie irren sich. Die Kirche ist heute dieselbe, die Christus gestiftet hat, und sie kann keine andere sein. Die Apostel und ihre Nachfolger sind Stellvertreter Gottes für die Regierung der Kirche, die auf den Glauben und auf die Sakramente des Glaubens gegründet ist. Und so wie es ihnen nicht gestattet ist, eine andere Kirche zu stiften, dürfen sie auch keinen anderen Glauben verkünden oder andere Sakramente einsetzen; denn es heißt, daß die Kirche durch die Sakramente, die aus der Seite des am Kreuz hängenden Christus geflossen sind, gebildet worden ist (Thomas von Aquin, S.Th. III, q 64, a 2, ad 3). Die Kirche muß an jenen vier Merkmalen erkannt werden können, die im Glaubensbekenntnis eines der ersten Konzilien zum Ausdruck gebracht werden und die wir im Credo der Messe betend wiederholen. Sie ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche (Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis, DS 150 [86]). Das sind die Wesenseigenschaften der Kirche, die sich aus ihrer Natur, wie Christus sie gewollt hat, ableiten. Und als Wesenseigenschaften sind sie auch Merkmale, Zeichen, die sie von allen anderen menschlichen Gemeinschaften unterscheiden, selbst wenn in diesen der Name Christi ausgesprochen wird.

Vor etwas mehr als einem Jahrhundert hat Papst Pius IX. diese traditionelle Lehre kurz zusammengefaßt: Die wahre Kirche Jesu Christi ist von der göttlichen Autorität durch ein vierfaches Merkmal gekennzeichnet und unterschieden worden. Im Glaubensbekenntnis stimmen wir ihm gläubig zu. Jedes dieser Merkmale ist aber so eng mit den anderen verbunden, daß es sich von ihnen nicht trennen läßt. So kommt es, daß jene Kirche, die wirklich die katholische ist und heißt, zugleich die Vorrechte der Einheit, der Heiligkeit und der apostolischen Nachfolge deutlich aufweisen muß (Pius IX., Brief des Hl. Offiziums an die Bischöfe Englands, 16.9.1864, DS 2888 [1686]).

Das ist, ich betone es, die traditionelle Lehre der Kirche, die das II. Vatikanische Konzil - obzwar einige, von einer falschen Ökumene geleitet, sie in den letzten Jahren vergessen - erneut wiederholt hat: Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen. Sie zu weiden hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut, für immer hat er sie als "Säule und Feste der Wahrheit" errichtet (II. Vatikanisches Konzil, Dogm. Konstitution Lumen gentium, Nr 8).

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