Josemaría Escrivá Obras
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Ich möchte es nochmals eindringlich betonen: die Wahrheiten der Glaubens- und Sittenlehre werden nicht durch Abstimmung festgelegt: sie bilden das Glaubensgut - depositum fidei -, das Christus allen Gläubigen geschenkt und dem Lehramt der Kirche anvertraut hat, damit sie es mit Autorität darlegt und lehrt.

Es wäre verfehlt anzunehmen, man müsse heute, da die Menschen sich ihrer Zusammengehörigkeit vielleicht bewußter geworden sind, die Verfassung der Kirche ändern und sie der Zeit anpassen. Die Zeit gehört nicht den Menschen, weder den Laien noch den Klerikern, sondern Gott, dem Herrn der Geschichte. Und die Kirche kann den Menschen nur dann das Heil vermitteln, wenn sie in ihrer Verfassung, in ihren Dogmen und in ihrer Sittenlehre Christus treu bleibt.

Weisen wir also die Vorstellung von uns, die Kirche solle - die Bergpredigt vergessend - das irdische Glück des Menschen verfolgen; denn wir wissen, daß ihr einziger Auftrag darin besteht, die Menschen zum ewigen Heil zu führen; weisen wir jede naturalistische Lösung von uns, die die entscheidende Rolle der Gnade Gottes verkennt; weisen wir von uns jene materialistischen Auffassungen, welche die Bedeutung der geistig-religiösen Werte im Leben des Menschen herunterspielen möchten; weisen wir von uns auch jene nur dem Diesseits verhafteten Theorien, die das Ziel der Kirche Gottes dem irdischer Staaten gleichsetzen, indem sie ihr Wesen, ihre Einrichtungen und ihr Wirken mit denen der zivilen Gesellschaft verwechseln.

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