Josemaría Escrivá Obras
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(Zeit der Prüfung) Wie oft diese prophetischen Worte des Apostels sich schon bewahrheitet haben mögen, bleibe dahingestellt; jedenfalls wird nur ein Blinder nicht sehen, daß sie heute fast buchstäblich zutreffen. Das Gesetz Gottes und die Lehre der Kirche werden abgelehnt, die Seligpreisungen verdreht und politisch-gesellschaftlich umgemünzt. Wer sich um Demut, Milde oder Reinheit des Herzens bemüht, wird als unwissend und rückschrittlich abgetan. Das Joch der Keuschheit erscheint unerträglich und man findet tausend Wege, die göttlichen Gebote Christi zu verhöhnen.

Allen diesen Bestrebungen ist eines gemeinsam: der Versuch, der Kirche ihr übernatürliches Ziel zu nehmen. Unter Gerechtigkeit verstehen manche nicht mehr ein Leben in Heiligkeit, sondern eine bestimmte Form des politischen Kampfes, mehr oder weniger deutlich am Marxismus ausgerichtet, der mit dem christlichen Glauben unvereinbar ist. Unter Befreiung versteht man nicht mehr das persönliche Ringen um Freiheit von der Sünde, sondern ein menschliches Werk, das - mag es auch in sich noch so achtbar und gerecht sein - für den Christen sinnentleert bleibt, wenn es das einzig Notwendige (Vgl. Lk 10,42), das Heil der Seelen, das Heil eines jeden einzelnen, entwertet.

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