Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Im Feuer der Schmiede > Ewigkeit > Kap 13
987

Ein Kind Gottes hat keine Angst vor dem Leben und keine Angst vor dem Tod, denn sein geistliches Leben ruht auf dem Bewußtsein der Gotteskindschaft. Gott ist mein Vater, sagt es sich, Er ist der Urheber alles Guten, Er ist die Güte selbst.

Aber... verhalten wir uns - du, ich - wirklich als Kinder Gottes?


988

Ich war froh, daß du mich verstanden hattest. Ich hatte dir gesagt: Du und ich müssen handeln, leben und sterben als Liebende. Nur so werden wir ewig leben.


989

Der Herr siegt immer. Auch du wirst immer siegen, wenn du sein Werkzeug bist. Denn deine Schlachten werden dann Schlachten Gottes sein!


990

Genau darin besteht die Heiligkeit: Kampf um Treue, solange wir leben, und freudige Annahme des Willens Gottes, wenn es ums Sterben geht.


991

Wenn du den Herrn in der Eucharistie empfängst, danke Ihm aus tiefstem Herzen, weil Er in seiner Güte bei dir weilt.

Hast du niemals in Ruhe bedacht, wie Jahrhundert um Jahrhundert verging, bis der Messias kam? Die Patriarchen, die Propheten, das ganze Volk Israel, sie flehten: Komm, Herr, die Erde dürstet nach Dir!

Sehnst du dich nach Ihm mit derselben Inbrunst?


992

Allen Gottesleugnern zum Trotz - auch in unseren Zeiten ist die Erde dem Himmel sehr nahe.


993

Du hast geschrieben: "Simile est regnum caelorum" - das Himmelreich gleicht einem Schatz... Diese Stelle aus dem heiligen Evangelium hat sich meiner Seele eingeprägt, sie hat in ihr Wurzel geschlagen. Gelesen hatte ich sie häufig, aber erst jetzt wird mir ihr Kern, der Atem des Göttlichen, voll bewußt.

Alles..., alles soll der kluge Mann verkaufen, der den Schatz, die kostbare Perle des Himmels, besitzen will!


994

Sprich dich mit Unserer Lieben Frau aus, sage ihr: Du, meine Herrin! Wenn ich das Ideal verwirklichen soll, das Gott in mein Herz gelegt hat, muß ich hoch, sehr hoch fliegen!

In der Tat genügt es nicht, wenn du mit Gottes Hilfe und im Wissen darum, daß alles Irdische nur Staub ist, von den Dingen der Erde Abstand gewinnst. Selbst wenn du die ganze Welt unter deine Füße legtest, um so dem Himmel näher zu sein..., auch das genügte nicht!

Du mußt fliegen, ohne auf Irdisches Rücksicht zu nehmen, vom Hauch und Wort des Geistes getragen. - Du wendest ein: Aber meine Flügel sind mit dem schmutzigen Lehm von Jahren verklebt! - Noch einmal wiederhole ich dir: Flehe die Mutter Gottes an! Sag ihr: Sieh, Mutter, wie ich mich kaum vom Boden erheben kann! Wie mich die Erde, gleich einem unheilvollen Magneten, festhält! Mutter, du kannst bewirken, daß meine Seele sich zum sieghaften, segensreichen Flug emporschwingt, dessen Ziel das Herz Gottes selbst ist.

Hab Vertrauen! Sie erhört deine Bitten!


995

Denke daran, wie angenehm Gott, unserem Herrn, der Weihrauch ist, der Ihm zu Ehren verbrannt wird; bedenke auch, welch einen geringen Wert die irdischen Dinge besitzen: Kaum haben sie begonnen, sind sie schon vergangen.

Im Himmel dagegen erwartet dich eine große Liebe; sie kennt weder Verrat noch Betrug: die Liebe selbst, alle Schönheit, die ganze Fülle, alles Wissen...! Und ohne Überdruß: Sie erfüllt und sättigt, ohne satt zu machen.


996

Sinn und Gespür für das Übernatürliche! Ruhe! Frieden! Betrachte so die Dinge, die Menschen, die Ereignisse..., gleichsam mit Blick auf die Ewigkeit.

Und du wirst erfahren: Eine hohe Mauer, die dir den Weg versperrt und - menschlich gesehen - unüberwindlich erscheint, wird ganz unbedeutend, wenn du die Augen wirklich zum Himmel richtest.


997

Wenn wir Christus nahe sind und seinen Schritten folgen, müssen wir die Armut, die Loslösung von den irdischen Gütern, die Entbehrungen aus ganzem Herzen lieben.


998

Im geistlichen Leben ist nicht selten die Fähigkeit nötig, im Irdischen etwas zu verlieren, damit wir es im Himmel gewinnen. - Wer so tut, gewinnt immer.


999

Die Menschen lügen, wenn sie in irdischen Dingen "für immer" sagen. Wahr im eigentlichen Sinne ist nur das "für immer" der Ewigkeit.

Und so soll dein Leben sein: mit einem Glauben, der dir einen Vorgeschmack himmlischen Glücks gibt, indem er dir die Ewigkeit, die wirklich für immer ist, vor Augen stellt.


1000

Gäbe es nichts anderes als das gegenwärtige Leben, so wäre dieses Leben ein grausamer Spott: Heuchelei, Bosheit, Egoismus, Verrat.


1001

Vorwärts! In Freude und mit Eifer, auch wenn du so wenig bist - eigentlich nichts!

Wenn Er bei dir ist, wird niemand auf der Welt dich aufhalten können. Bedenke außerdem: Wenn man Gott liebt, ist alles gut. Hier auf Erden läßt sich noch alles ändern, nur daß wir sterben müssen, ist nicht zu ändern: aber für uns bedeutet der Tod Leben.


1002

Herr, Du stirbst am Kreuz, um uns Menschen zu retten; aber wegen einer einzigen Todsünde verurteilst Du den Menschen zu ewiger, trostloser Qual - so schwer beleidigt Dich die Sünde! Wie tief muß ich sie also verabscheuen!


1003

Die heilige Theresia von Avila versichert uns: "Wenn jemand nicht betet, bedarf es nicht einmal des Teufels, um ihn zu versuchen. Wer jedoch auch nur eine Viertelstunde am Tag betet, gelangt mit Sicherheit zum Heil."

Und zwar deshalb, weil das Gespräch mit dem Herrn - ein liebenswertes Gespräch auch zu Zeiten, da die Seele wie erstarrt und trocken ist - uns die wahre Perspektive und die eigentliche Dimension unseres Lebens erschließt.

Sei ein Mensch, der betet!


1004

"Also bist du doch ein König"... Ja, Christus ist ein König. Und Er gewährt dir nicht nur Audienz, wann du es wünschst; mehr, in liebender "Torheit" verläßt Er sogar die Herrlichkeit des Himmels - du verstehst schon -, zu der du noch keinen Zugang hast, und erwartet dich im Tabernakel.

Findest du es nicht abwegig, wenn wir nicht nachhaltig und noch beständiger das Gespräch mit Ihm suchen?


1005

Mit jedem Tag bin ich tiefer davon überzeugt: Die Glückseligkeit des Himmels ist für die, die es verstehen, bereits hier auf Erden wahrhaft glücklich zu leben.


1006

Die Formel, der Schlüssel für das irdische Glück und ewige Heil stehen mir zweifelsfrei vor Augen: Sich nicht bloß mit dem Willen Gottes abfinden, sondern sich ihn zu eigen machen, sich mit ihm identifizieren, kurz: mit einem klaren Willensentschluß das wollen, was Gott will.

Ich wiederhole: Das ist der nie versagende Schlüssel zu Freude und Frieden.


1007

Wie oft wirst du spüren, daß die Gnade Gottes dich überflutet und fast trunken macht: Wie groß ist dann die Sünde, wenn du ihr nicht entsprichst!


1008

Erneuere in den Stunden der Versuchung die Tugend der Hoffnung und bedenke: Ruhe und Erquickung warten auf mich in der Ewigkeit; jetzt aber, gläubig vertrauend, will ich mir mit Arbeit die Ruhe und mit Schmerz die Erquickung verdienen. Und die Liebe..., wie wird sie erst im Himmel sein?

Besser noch: Steigere die Tugend der Liebe und sage dir: Ich will meinen Gott, meinen Geliebten, erfreuen und seinen Willen in allem erfüllen, als gäbe es weder Lohn noch Strafe - einfach, um Ihm zu gefallen.


1009

Gelegentlich wird dich - blitzartig oder lästig wiederkehrend wie eine störende Fliege - die Vorstellung bedrängen, die Beweggründe deines Tuns seien nicht ganz lauter. Rufe dann sofort die Tugenden in dir wach, die der Unlauterkeit entgegenwirken..., und gehe ruhig deines Weges weiter, für Ihn und mit Ihm.

Und auch wenn es dir wie ein bloßes Lippenbekenntnis vorkommt, sage Ihm: Herr, ich will nichts für mich. Alles zu Deiner Ehre, Dir zuliebe.


1010

Dir sei es einerlei, hier oder in China zu arbeiten, sagst du mir.

Gut. Sieh aber zu, daß du da zur Stelle bist, wo du den heiligen Willen Gottes erfüllst.


1011

Auch von dir hängt es ab, daß viele Menschen nicht in der Finsternis bleiben, sondern Wege gehen, die zum ewigen Licht führen.


1012

Gewöhne dich daran, deinen Gesprächspartner seinem Schutzengel anzuempfehlen. Bitte für ihn, damit er gut, treu und froh ist und damit er eines Tages die ewige Umarmung der Liebe Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes, Gottes des Heiligen Geistes und Unserer Lieben Frau empfangen kann.


1013

Wie das Weizenkorn, so müssen auch wir sterben, um Frucht zu bringen.

Du und ich - wir verlangen sehnsüchtig danach, mit Hilfe der Gnade eine Spur zu hinterlassen, die tief ist und leuchtend... Deshalb müssen wir diesen armen, irdischen Menschen hinter uns lassen und in den Bereich des Geistes treten, indem wir jeden Menschen, der arbeitet, und jede aufrechte Arbeit, die ein Mensch tut, auf Gott hin ausrichten.


1014

Jesus, ich möchte, daß in mir die Ablenkungen den umgekehrten Weg wie sonst nehmen. Statt daß mir die Welt in den Sinn kommt, wenn ich mich mit Dir beschäftige, sollst Du mir in den Sinn kommen, wenn ich mich mit den Dingen der Welt beschäftige.


1015

Du hast dich etwas erschreckt, denn du hast soviel Licht erhalten..., daß dir jetzt das Hinschauen und sogar das Sehen selbst schwer fällt.

Schließe deine Augen vor deinem offensichtlichen Elend; öffne den Blick deiner Seele dem Glauben, der Hoffnung, der Liebe und - von Ihm durch deinen Seelenführer angeleitet - geh weiter voran.


1016

Sei großzügig! Bitte Jesus nicht einmal um einen einzigen Trost!

Du fragst mich, warum? Ich antworte dir: Weil du schon weißt, daß unser Gott - auch wenn Er uns fern zu sein scheint - inmitten deiner Seele wohnt und deinem ganzen Leben eine übernatürliche Dimension verleiht.


1017

Ich erzählte dir einmal, wie sogar Ungetaufte bewegt waren und sagten: Ja, ich begreife es: Ein Mensch, der heiligmäßig lebt, kann nicht anders als glücklich sein, denn er sieht die Dinge nicht auf irdische Weise, sondern im Lichte der Ewigkeit.

Dann fügte ich hinzu: Hoffentlich hast auch du diese Sicht der Dinge, damit du deiner Auserwählung durch die Allerheiligste Dreifaltigkeit entsprichst.


1018

Ich versichere dir: Wenn wir Kinder Gottes es nur wollen, werden wir machtvoll dazu beitragen, daß der göttliche, ewige Glanz, den der Herr in unsere Seele hat hineinlegen wollen, auf Leben und Schaffen der Menschen um uns ausstrahlt!

Der Apostel Johannes lehrt: "Wer sagt, daß er in Ihm bleibt, muß auch leben, wie Er gelebt hat". Dieser Weg führt immer zur Herrlichkeit, aber zuerst - auch immer - über das Opfer.


1019

Wie niederschmetternd war die Enttäuschung! Sie hatten das Licht des falschen Apostels gesehen und erwartet, durch jene vermeintliche Helligkeit die Finsternis ihrer Seele vertreiben zu können. Sie eilten zu ihm. Auf ihrem Weg ließen sie vielleicht Fetzen ihrer eigenen Haut und - in ihrer Sehnsucht nach Licht - manchmal ein Stück ihrer Seele zurück... Endlich haben sie ihn erreicht - und finden nur Kälte und Dunkelheit. Und Kälte und Dunkel breiten sich aus in ihren betrogenen Herzen, die für eine kurze Weile gemeint hatten, das Ideal gefunden zu haben.

Ein böses Werk hat er getan, der Betrüger. Nun kehren die Enttäuschten zur wirklichen Welt zurück, von der sie ausgezogen waren in der Hoffnung, ihr Fleisch und Blut in Glut und funkelnde Liebe zu verwandeln..., sie kehren zurück mit einem erloschenen Herzen, das kein Herz mehr ist, sondern Eis und Finsternis; jetzt wird auch ihr Denken verfinstert werden.

Das ist dein Werk, du Apostel des Widersinns: Du führst den Namen Christi in deinem Munde, folgst Ihm aber nicht in deinem Tun; du blendest durch gleißende Helligkeit, hast aber kein Licht; du hast keine wärmende Liebe, die Sorge um die Fremden täuschst du vor, der Deinen aber achtest du nicht. Denn ein Lügner bist du, und die Lüge ist ein Kind des Teufels...

Du arbeitest für den Teufel und verwirrst die Jünger in der Nachfolge des Herrn... Heute trägst du nicht selten Siege davon - aber wehe dir, morgen, wenn unser Freund, der Tod, dich heimsucht und dich der Richter, den du niemals hast betrügen können, richtet!

Herr: bewahre mich vor diesem Widersinn! Bewahre mich!


1020

Das ist der sichere Weg: durch die Erniedrigung zum Kreuz; vom Kreuz, zusammen mit Christus, zur ewigen Herrlichkeit des Vaters.


1021

Wie freute ich mich über die Lesung dieses Tages! Der Heilige Geist lehrt uns mit Worten des heiligen Paulus das Geheimnis der Unsterblichkeit und der Herrlichkeit. Wir Menschen - alle - sehnen uns nach Fortdauer.

Wir möchten die Augenblicke unseres Lebens, die wir glücklich nennen, verewigen. Wir möchten ihrem Gedächtnis einen nie verblassenden Glanz verleihen... Wir möchten unsere Ideale unsterblich machen. Deshalb ist es nur natürlich, daß wir alle, wenn Augenblicke scheinbarer Glückseligkeit unsere Verlassenheit mildern, sehnend ausrufen: Für immer, für immer!

Wie schlau ist der Teufel! Wie sehr kennt er unsere einfältige Natur. "Ihr werdet wie Gott sein", sagte er zu unseren Stammeltern. Welch grausamer Betrug...

An einer Stelle des Philipperbriefes eröffnet uns der heilige Paulus das göttliche Geheimnis der Unsterblichkeit und der ewigen Herrlichkeit: Christus entäußerte sich und wurde wie ein Sklave... Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat Ihn Gott über alle erhöht und Ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu...


1022

Um bei Christus in der Herrlichkeit seines endgültigen Triumphes zu sein, müssen wir vorher an dem vollkommenen Opfer seines Todes auf Golgotha teilhaben und auch darin Ihm gleichförmig werden.


1023

Laß dich nicht ablenken, laß deine Phantasie nicht ziellos umherschweifen: Lebe aus deiner Innerlichkeit, und du wirst Gott näher sein.


1024

Hilf mir, diese Wahrheit diesem und jenem anderen... und allen ins Ohr zu flüstern: Wer gläubig ist und sündigt, ist notwendigerweise unglücklich und freudlos, auch wenn er irdisches Wohlergehen in Fülle besitzt.

Es stimmt: Wir sollen die Sünde - auch die läßliche Sünde - vor allem aus übernatürlichen Gründen verabscheuen: weil Gott sie in seiner Vollkommenheit notwendigerweise und im höchsten Maß auf ewig verabscheut, da sie das Böse ist, das sich der unendlichen Güte entgegenstellt...; jedoch kann auch die erste Überlegung, die ich dir nannte, hilfreich sein und zu der zweiten hinführen.


1025

Das Maß deiner Heiligkeit wird bestimmt durch das Maß deiner Abtötungen aus Liebe.


1026

Eine wütende Verfolgung war ausgebrochen. Jener Priester betete: Jesus, jeder gottesschänderische Kirchenbrand möge das Feuer der Liebe und der Sühne in mir noch mehr entfachen.


1027

Du denkst nach über die Schönheit, die Weite und die Wirksamkeit deiner apostolischen Aufgabe, und - so sagst du mir - dir tut sogar der Kopf weh, wenn du an den weiten, mühsamen Weg denkst, der noch zurückzulegen ist. Wieviele Menschen warten noch! In diesem Empfinden bist du aber glücklich und übergibst dich Jesus als sein demütiger Diener. Du sehnst dich nach dem Kreuz, nach dem Leiden, nach Liebe, nach Seelen. Ohne es dir eigens vorzunehmen, breitest du die Arme aus und öffnest deine Hände in einer instinktiven Bewegung der Liebe: So bittest du, daß der Herr dich an sein heiliges Kreuz annagelt, um sein Diener zu sein; denn dieses "serviam!", ich will dienen, bedeutet ja mit Ihm herrschen.


1028

Ich fand deine feurige Bitte ergreifend: Mein Gott, mein einziger Wunsch ist, daß ich vor Deinem Angesicht Dir wohlgefällig bin. Alles andere ist mir gleichgültig. - Maria, meine Unbefleckte Mutter, gewähre mir, daß mein einziger Beweggrund die Liebe sei.


1029

Sag dem Herrn aus ganzem Herzen, du möchtest lieber tausendmal sterben als Ihn beleidigen.

Aber nicht aus Angst vor der verdienten Strafe, sondern weil Jesus so gut zu dir ist, heute und immer...


1030

Mein Gott, wann werde ich Dich ausschließlich um Deiner selbst willen lieben? Doch auch die Sehnsucht nach dem unvergänglichen Lohn ist ja Sehnsucht nach Dir, Herr, der Du Dich uns als Gabe schenkst.


1031

Kostet und seht, wie gut der Herr ist, heißt es im Psalm.

Das Wachsen der Frömmigkeit ist Ausdruck der Liebe und muß im großen wie im kleinen von der Sehnsucht nach Unendlichkeit, nach Ewigkeit gespeist sein.


1032

Jesus, ich will keine Gedanken darüber verlieren, wie das "morgen" sein wird. Denn ich darf Deiner Großmut keine Grenzen setzen.


1033

Unser Freund hatte sich folgende Gedanken aufgeschrieben, die auch du dir zu eigen machen solltest: "Ich bedachte die Wohltaten Gottes mir gegenüber. Mit dem Herzen voller Freude hätte ich gerne auf der Straße meine kindliche Dankbarkeit herausgeschrieen, damit alle es wüßten: Vater, Vater! Wenn auch nicht mit lauter Stimme, so habe ich Ihn doch leise lange Zeit so angerufen: Vater! - Ich war mir sicher, daß es Ihm so gefiel.

Nur dies suche ich, nur eins will ich: Sein Wohlgefallen und seine Verherrlichung. Wenn ich mein Heil und meine Heiligung will, dann nur, weil ich weiß, daß Er sie will. Wenn ich in meinem Leben als Christ die Sorge um die Seelen spüre, dann nur, weil ich weiß, daß Er diese Sorge spürt. Ich sage es voll Aufrichtigkeit: Niemals will ich meine Augen auf den Lohn richten. Ich wünsche keinen Lohn. Alles aus Liebe!"


1034

Die Kranke, der ich geistlichen Beistand leistete..., wie groß war ihre Liebe zum Willen Gottes! Sie sah ihre lange, schmerzhafte Krankheit - eine weitverzweigte Krankheit: nichts an ihr war heil - als Segen Gottes und als Zeichen der Auserwählung. In ihrer Demut meinte sie, sie habe nur Strafe verdient; jedoch waren die schrecklichen Schmerzen im ganzen Körper keine Strafe, sondern Zeichen der Barmherzigkeit.

Wir unterhielten uns über den Tod und über den Himmel. Auch darüber, was sie Jesus und der Muttergottes sagen würde... und wie sie von dort aus besser "arbeiten" könnte als hier auf Erden... Sie hatte den Zeitpunkt ihres Todes Gott überlassen..., sagte aber fröhlich: Wie schön, wenn es noch heute wäre! Sie betrachtete den Tod mit der Freude eines Menschen, der weiß, daß Sterben Heimgang zum Vater ist.


1035

Fürchte dich nicht vor dem Tod. Er ist dein Freund!

Mach dich mit seiner Wirklichkeit vertraut. Stell dir dein Grab vor: Sieh es dir oft an, rieche und betaste deinen verwesenden, seit acht Tagen dort ruhenden Leichnam!

Erinnere dich daran, besonders dann, wenn der Ansturm des Fleisches dich bedrängt.


1036

Er öffnete mir seine Seele und sagte: "In diesen Tagen habe ich oft über den Tod nachgedacht und ihn - trotz meiner Sünden - als ein Ausruhen angesehen. Ich dachte: würde man mir sagen, jetzt ist deine letzte Stunde gekommen, so erwiderte ich voll Freude: Jetzt ist die Stunde gekommen, da ich anfange zu leben."


1037

Sterben ist gut. Wie ist es möglich, daß ein Mensch glaubt und sich gleichzeitig vor dem Tod fürchtet?... Aber solange der Herr dich auf Erden haben will, wäre Sterben Feigheit. Leben: Aus Liebe leben, leiden, arbeiten: Darum soll es dir gehen.


1038

Stell dir deine Todesstunde vor Augen - wenn es auch nur einmal am Tag ist -, und erwäge in ihrem Licht die Ereignisse des Tages.

Ich versichere dir: Du wirst erfahren, wieviel innerer Frieden von diesem Gedanken ausgeht.


1039

Du wurdest sehr ernst, als ich dir sagte: Ich nehme den Tod an, wann Er will, wie Er will, wo Er will; und gleichzeitig halte ich es für zu "bequem", früh zu sterben. Denn wir müssen uns wünschen, viele Jahre für Ihn und - Ihm zuliebe - für unsere Mitmenschen zu arbeiten.


1040

Sterben? - Wie bequem!, sage ich dir.

Sprich wie jener heilige Bischof, der alt und krank war: "non recuso laborem" - Herr, solange ich Dir von Nutzen sein kann, widersetze ich mich nicht dem Leben, das heißt der Arbeit für Dich.


1041

Nimm dir vor, nichts des Lohnes wegen und nichts aus Angst vor den Strafen im Fegefeuer zu tun. Ein für alle mal: Tu alles - auch das Unbedeutendste - ganz allein, um Jesus Freude zu bereiten.


1042

Es sei dein brennender Wunsch, daß unser guter Bruder Tod dich an nichts Irdisches gebunden findet, wenn er eines Tages unausweichlich kommt und dir den Dienst leistet, dich vor Gottes Angesicht zu führen.


1043

Wenn du dich nach Leben - nach ewigem Leben und ewiger Seligkeit - sehnst, darfst du das Schiff unserer heiligen Mutter, der Kirche, nicht verlassen. - Denn sieh: Wenn du das Schiff verläßt, stürzt du ins Meer, du ertrinkst, du stirbst. Und du bist nicht mehr bei Christus; du gibst die Freundschaft mit Ihm auf, die du einmal freiwillig angenommen hast, als Er sie dir anbot.


1044

Jesus kam auf diese Erde, um zu leiden... und um den Menschen ihr Leid - auch das irdische - zu nehmen.


1045

Es gibt keine schönere Herrschaft als die des Dienens: in Freiheit ein Diener aller sein.

Auf diese und keine andere Weise werden die wahren Ehren errungen: auf Erden und im Himmel.


1046

Ein von Gott erfüllter Mensch sagte angesichts vieler leidvoller Verfolgungen: "Lieber will ich hier gepeinigt werden als im Fegefeuer!"


1047

Für den, der liebt, gibt es keine Hölle!


1048

Wie gut ist es, aus Gott zu leben! Wie gut ist es, nichts anderes zu wollen als seine Ehre!


1049

Wenn du wirklich Leben und Ehre für ewig erlangen willst, dann übe häufig Verzicht - sogar auf edle persönliche Ambitionen!


1050

Laß dein "Ich" in den Hintergrund treten, ob es nun um deine Gesundheit, deinen guten Ruf, deine Karriere, deine Arbeit oder um diese oder jene Wendung deines Lebens geht... Denn es ist wirklich eine arge Sache, wenn du so tust, als hättest du vergessen, daß du nichts besitzt und alles Ihm gehört.

Wenn du bisweilen das - vielleicht grundlose - Gefühl hast, du seiest gedemütigt worden; wenn du einmal denkst, du müßtest deine Meinung unbedingt durchsetzen; wenn du verspürst, wie dein "Ich" sich immer wieder nach vorn drängt - nur "du", nur "deine" Sachen -, dann sei sicher: Du schlägst nur deine Zeit tot. Aber eigentlich wäre es nötig, deinen Egoismus totzuschlagen.


1051

Ich gebe dir einen Rat: Sei nicht darauf aus, daß man dich lobt, auch dann nicht, wenn du das wohl verdient hättest. Es ist besser, verborgen zu bleiben und das Beste und Schönste unseres Lebens und Schaffens verborgen zu halten.

Wie herrlich ist das: Sich aus Liebe "klein" machen, damit Gott allein verherrlicht werde - "Deo omnis gloria!"


1052

In einer Zeit tiefer Betrübnis sagte jemand zum Herrn: "Mein Jesus, etwas anderes als meine Ehre habe ich nicht, um es Dir zu schenken. Wäre ich ein reicher Mann, so gäbe ich Dir meinen ganzen Besitz. Wäre ich mit vielen Tugenden ausgestattet, so nutzte ich jede Tugend, um Dir zu dienen. Nur meine Ehre hatte ich, und die habe ich Dir geschenkt! Gelobt seist Du! Ich weiß, daß sie in Deinen Händen wohlbehütet ist!"


1053

Lehm ist mein Ursprung und Erde das Erbe meines Stammes.

Wem gebührt Ehre außer Gott?


1054

Spürst du einmal eine Art Stolz in dir aufwallen - genauer: Hochmut! -, so daß du dich für einen Übermenschen hältst, dann ist es an der Zeit, laut zu rufen: Nein! Und sogleich empfindest du die Freude eines Kindes Gottes, die Freude eines Menschen, der zwar Sünden und Fehler mit sich herumschleppt, aber dennoch Gutes tut.


1055

"Sancta Maria, Stella Maris!" - Heilige Maria, du Meeresstern, geleite uns!

Rufe sie inständig an. Denn mag das aufgewühlte Meer auch noch so sehr toben, das Mutterherz Mariens hält ihm stand. Suche also, wenn du den Sturm kommen siehst, Zuflucht und Geborgenheit bei Unserer Lieben Frau - du wirst nicht kentern, du wirst nicht untergehen!


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