Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer > Die Universität im Dienst unserer Gesellschaft > Textabschnitt 78
78

Worin besteht Ihrer Meinung nach die Aufgabe, die studentischen Vereinigungen oder Körperschaften zukommt? Wie sollten sich ihre Beziehungen zu den akademischen Behörden gestalten?

Sie verlangen hier von mir ein Urteil über einen sehr weitreichenden Fragenkomplex; ich kann deshalb nicht auf Einzelheiten eingehen. Hier nur einige allgemeine Gedanken: Ich bin der Ansicht, daß die Studentenvereinigungen an den spezifischen Aufgaben der Universität mitwirken müssen. Es muß Studentenvertreter geben, die von ihren Kommilitonen frei gewählt sind und sich in dem Bewußtsein mit den akademischen Behörden zusammenfinden, daß es darum geht, in gegenseitigem Zusammenwirken an einer gemeinsamen Aufgabe zu arbeiten. Hier besteht eine weitere Gelegenheit, um wirklich zu dienen.

Es muß eine Satzung geben, die das Verfahren regelt, damit die Zusammenarbeit wirksam, gerecht und sinnvoll vonstatten geht. Die zu behandelnden Fragen müssen vorher gründlich bearbeitet und erwogen sein; wenn die Lösungen, die vorgeschlagen werden, gut durchdacht sind, wenn sie aus einem konstruktiven Verlangen heraus geboren wurden und nicht in der Absicht, Gegensätze zu schaffen, dann gewinnen sie eine solche innere Autorität, daß sie sich von selbst durchsetzen.

All das setzt voraus, daß die Studentenvertreter wirkliches Niveau besitzen, das heißt an erster Stelle, daß sie die Freiheit der anderen und ihre eigene Freiheit lieben und bereit sind, die sich daraus ergebende Verantwortung zu übernehmen. Daß es ihnen nicht darum geht, persönlich zu glänzen oder sich Zuständigkeiten anzumaßen, die sie nicht besitzen, sondern ihnen wirklich das Wohl der Universität am Herzen liegt und damit das Wohl ihrer Studienkollegen. Andererseits müssen die Wähler ihre Repräsentanten nach diesen Gesichtspunkten aussuchen und nicht nach Kriterien, die mit der Wirksamkeit der Alma Mater nichts zu tun haben. Nur so wird die Universität zu einer Stätte des Friedens, zum Ort einer guten, ehrlichen Unruhe, die für das Studium und die Bildung aller dienlich ist.

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