Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer > Das Opus Dei und das Streben nach Heiligkeit in der Welt > Textabschnitt 71
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Könnten Sie sich zur Ausbreitung des Werkes in den vierzig Jahren seines Bestehens äußern? Welche sind seine wichtigsten apostolischen Tätigkeiten?

An erster Stelle möchte ich betonen, wie dankbar ich Gott bin, daß er es mir gewährt hat, das Werk bereits vierzig Jahre nach seiner Gründung in der ganzen Welt verbreitet zu sehen. Als das Werk 1928 in Spanien entstand, war es schon römisch, was für mich soviel wie katholisch und weltweit bedeutet. Und wie es nicht anders kommen konnte, wohnte ihm von Anfang an der Drang inne, sich über den ganzen Erdball hin auszubreiten.

Wenn ich an jene vergangenen Jahre zurückdenke, erinnere ich mich voll Freude an viele Ereignisse; denn sie rufen mir, zugleich freilich mit den Schwierigkeiten und Sorgen, die wie das Salz des Lebens sind, die Wirksamkeit der Gnade Gottes ins Gedächtnis und die opferbereite und freudige Hingabe so vieler Männer und Frauen, die treu gewesen sind. Denn ich möchte sehr deutlich hervorheben, daß das wesentliche Apostolat des Opus Dei dasjenige ist, das jedes Mitglied für sich an seinem Arbeitsplatz, in seiner Familie, unter seinen Freunden und Bekannten ausübt. Diese Arbeit fällt nicht auf; es ist nicht leicht, sie statistisch zu erfassen, aber sie läßt Früchte der Heiligkeit in Tausenden von Menschen wachsen, die still und wirksam in ihrer alltäglichen Berufsarbeit Christus folgen.

Es ist kaum mehr über dieses Thema zu sagen. Wohl könnte ich vom vorbildlichen Leben vieler Menschen erzählen, aber es würde die menschliche und göttliche Schönheit dieser Aufgabe entstellen, wenn man ihre Intimität preisgäbe. Noch schlimmer wäre es, das alles in Zahlen und Statistiken ausdrücken zu wollen, weil das dem vergeblichen Versuch gleichkäme, die Wirkungen der Gnade in der menschlichen Seele zu katalogisieren.

Wohl kann ich Ihnen von den apostolischen Einrichtungen erzählen, die Mitglieder des Werkes in vielen Ländern leiten. In diesen Tätigkeiten mit rein geistlicher und apostolischer Zielsetzung ist man bemüht, sorgfältig und mit dem Willen zur Vollkommenheit auch im Menschlichen zu arbeiten. In ihnen arbeiten viele andere Menschen mit uns, die nicht dem Opus Dei angehören, die jedoch den übernatürlichen Wert dieser Aufgabe begreifen oder ihren natürlichen Wert schätzen, wie es zum Beispiel bei vielen Nichtchristen der Fall ist, die uns wirksam helfen.

Immer handelt es sich um Aufgaben laikaIen und säkularen Charakters. Sie werden durchgeführt von normalen Staatsbürgern in Ausübung ihrer selbstverständlichen bürgerlichen Rechte, im Einklang mit den Gesetzen des jeweiligen Landes und immer getragen vom beruflichen Können. Es handelt sich also um Aufgaben, die keinerlei Sonderstellung oder Bevorzugung beanspruchen.

Wahrscheinlich ist Ihnen ein Beispiel solcher Arbeit in Rom bekannt: das Centro ELIS, das sich durch Schulen, sportliche und kulturelle Tätigkeiten, Bibliotheken usw. der beruflichen und ganzheitlichen Bildung von Arbeitern widmet. Das Zentrum entspricht den Bedürfnissen in Rom und den besonderen Umständen des sozialen Milieus, in dem es entstanden ist, nämlich im Tiburtino-Viertel. Ähnliche Einrichtungen bestehen an vielen anderen Orten, so in Madrid, Chicago, Mexiko.

Als ein weiteres Beispiel könnte ich das Strathmore College of Arts and Science in Nairobi nennen. Es handelt sich um ein College zur Vorbereitung auf die Universität, das bisher Hunderte von Schülern aus Kenia, Uganda und Tansania besucht haben. In diesem College leisten einige Mitglieder des Opus Dei aus Kenia gemeinsam mit anderen Landsleuten eine Arbeit von großer Tragweite im schulischen und sozialen Bereich. Strathmore war die erste Einrichtung in Ostafrika, die eine vollständige Rassenintegration verwirklichte und durch ihre Arbeit viel zur Afrikanisierung der Kultur beigetragen hat. Ähnliches kann man vom Kianda College sagen, ebenfalls in Nairobi, das Bedeutendes für die zeitgemäße Stellung der afrikanischen Frau tut.

Als weiteres Beispiel sei die Universität von Navarra genannt, die, 1952 gegründet, heute insgesamt achtzehn Fakultäten, Schulen und Institute zählt, in denen mehr als sechstausend Studenten immatrikuliert sind. Im Gegensatz zu den kürzlich von einigen Zeitungen vorgetragenen Behauptungen muß ich sagen, daß die Universität von Navarra nicht von staatlichen Subventionen unterhalten wird. Der spanische Staat gewährt ihr keine Zuschüsse für Unterhaltskosten, er hat lediglich einige Beiträge zur Schaffung von neuen Studienplätzen zur Verfügung gestellt. Die Universität von Navarra trägt sich mit der Hilfe von Privatpersonen und privaten Vereinigungen. Das Lehrsystem und das Universitätsleben sind geprägt von der persönlichen Verantwortung und der Solidarität aller, die dort arbeiten. Dieses System hat sich als sehr wirksam erwiesen und kann als eine positive Erfahrung in der augenblicklichen Lage der Universität in der Welt betrachtet werden.

Ich könnte auch von Einrichtungen anderer Art in den Vereinigten Staaten, Japan, Argentinien, Australien, England, Frankreich oder auf den Philippinen sprechen. Aber das ist nicht nötig; es genügt zu erwähnen, daß das Opus Dei zur Zeit in den fünf Erdteilen verbreitet ist und daß ihm Menschen der verschiedensten Rassen und Gesellschaftsschichten aus mehr als siebzig Ländern angehören.

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