Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer > Was ist das Anziehende am Opus Dei? > Textabschnitt 55
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Wie erklären Sie die wachsende Bedeutung, die dem Opus Dei zuerkannt wird? Geht sie nur auf die Anziehungskraft seiner Lehre zurück, oder spiegeln sich darin auch bestimmte Erwartungen unserer Zeit?

Der Herr rief im Jahre 1928 das Opus Dei ins Leben, damit es die Christen daran erinnern helfe, daß nach dem Wort der Genesis Gott den Menschen schuf, damit er arbeite. Wir sind gekommen, um von neuem auf das Beispiel Christi aufmerksam zu machen, der dreißig Jahre lang in Nazareth gearbeitet und ein Handwerk ausgeübt hat. Unter den Händen Christi wird die Arbeit - eine berufliche Arbeit, wie sie Millionen von Menschen in der ganzen Welt verrichten - zu einem göttlichen Werk, zu einer Erlösungstat und zu einem Weg des Heiles.

Der Geist des Opus Dei greift die herrliche, jahrhundertelang von vielen Christen vergessene Wirklichkeit auf, daß jede Arbeit, die im Menschlichen lauter und rechtschaffen ist, zu einem göttlichen Tun werden kann. Wenn man Gott dienen will, gibt es keine belanglosen oder zweitrangigen Arbeiten: alle sind von größter Bedeutung.

Um Gott zu lieben und ihm zu dienen, ist es nicht nötig, auffallende Dinge zu tun. Alle Menschen ohne Ausnahme ruft Christus auf, vollkommen zu sein, wie ihr himmlischer Vater vollkommen ist (Mt 5,48). Heiligwerden bedeutet für die überwiegende Mehrzahl der Menschen, ihre eigene Arbeit zu heiligen, sich in dieser Arbeit selbst zu heiligen und die anderen durch die Arbeit zu heiligen, damit sie täglich auf dem Weg ihres Lebens Gott begegnen.

Die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung, die eine immer stärkere Bewertung der Arbeit mit sich bringt, erleichtert offensichtlich den Menschen unserer Zeit das Verständnis für diesen Aspekt der christlichen Botschaft, den die Spiritualität des Opus Dei so sehr hervorhebt. Entscheidender aber ist das Wehen des Heiligen Geistes, der in seinem lebenspendenden Wirken unsere Zeit zum Zeugen einer tiefen Erneuerung im ganzen Christentum hat machen wollen. Liest man die Dekrete des Zweiten Vatikanischen Konzils, so erscheint als ein wichtiger Teil dieser Erneuerung gerade die neue Wertschätzung der gewöhnlichen Arbeit und der Würde der Berufung zu einem christlichen Leben und Arbeiten mitten in der Welt.

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