Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer > Die Frau in Welt und Kirche > Textabschnitt 106
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Ein wichtiges Problem ist die Lage der unverheirateten Frauen; wir meinen die Lage jener Frauen, die zwar eine Berufung zur Ehe haben, aber faktisch nicht dazu kommen zu heiraten. Sie fragen sich dann häufig, wozu sie eigentlich auf der Welt sind. Was würden Sie ihnen antworten?

Wozu sie auf der Welt sind? Um Gott aus ganzem Herzen und ganzer Kraft zu lieben und diese Liebe auf alle Geschöpfe auszudehnen. Ist das etwa wenig? Gott überläßt niemanden einem blinden Geschick. Er hat seinen Plan für jeden einzelnen, und einen jeden ruft er mit einer ganz persönlichen, auf keinen anderen übertragbaren Berufung.

Die Ehe ist ein Weg zu Gott, eine Berufung. Aber sie ist nicht der einzige Weg und nicht die einzig mögliche Berufung. Die Pläne Gottes schließen nicht für jede Frau notwendigerweise die Ehe ein. Sie haben Berufung zur Ehe, kommen aber nicht dazu zu heiraten? In dem einen oder anderen Fall mag das sicher wahr sein. Vielleicht haben Egoismus oder Eigenliebe es verhindert, daß sich dieser Ruf Gottes erfüllen konnte. In den meisten Fällen dagegen kann es als Zeichen dafür gelten, daß Gott ihnen keine wirkliche Berufung zur Ehe gegeben hat. Es ist wahr, sie sind kinderlieb und spüren, daß sie gute Mütter sein und sich treu einem Mann und ihren Kindern hingeben könnten. Aber das ist bei jeder Frau so, auch bei jenen, die - obwohl sie heiraten könnten - aufgrund einer göttlichen Berufung auf die Ehe verzichten, um sich ganz dem Dienste Gottes und ihrer Mitmenschen zu widmen.

Wenn sie nicht zum Heiraten gekommen sind, dann müssen sie eben, wie bisher, als Unverheiratete den Willen Gottes erfüllen. Sie sollten sich noch mehr Christus zuwenden, der niemanden im Stich läßt. Er ist treu und begleitet uns auf unserem Lebensweg, um sich uns schon jetzt für immer zu schenken.

Außerdem kann die Frau auch ohne eigene Familie durchaus ihre spezifische Aufgabe erfüllen, indem sie ihre fraulichen Fähigkeiten und speziell ihre mütterliche Sorge an anderer Stelle, etwa in anderen Familien, in der Schule, in der Fürsorge oder bei tausend sonstigen Gelegenheiten einsetzt. Die Gesellschaft ist oft sehr hart und ungerecht mit denen, die sie abschätzig als "alte Jungfern" bezeichnet. Viele unverheiratete Frauen verstehen es, sich großherzig und wirksam dem Dienst am Nächsten hinzugeben, und verbreiten um sich eine Atmosphäre der Freude und des Friedens. In einem geistigen Sinne könnte man sie mit größerem Recht Mutter nennen als viele, die nur eine physiologische Mutterschaft kennen.

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