Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Freunde Gottes > Das Gottesgeschenk unserer Freiheit > Textabschnitt 26
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Der Sinn der Freiheit

Gewaltig und grenzenlos wie seine Liebe ist die Freiheit Jesu Christi. Niemals werden wir sie ganz begreifen können. Aber die unermeßliche Kostbarkeit seines freiwilligen Sühneopfers müßte in uns den Gedanken wecken: Warum hast Du mir, Herr, dieses einzigartige Vorrecht eingeräumt, das mich fähig macht, Deinen Schritten zu folgen, aber auch, Dich zu beleidigen? So lernen wir den rechten Gebrauch der Freiheit schätzen, wenn sie in den Dienst des Guten gestellt wird; aber auch das Ausmaß der Verirrung können wir so ermessen, wenn Freiheit die Menschen den größten aller Liebeserweise vergessen und verschmähen läßt. Die persönliche Freiheit, für die ich mich immer eingesetzt habe und mit allen meinen Kräften weiterhin einsetzen werde, drängt mich zu der Frage, die ich mir in sicherer Überzeugung, aber auch im Bewußtsein meiner Schwäche stellen muß: Was erwartest Du von mir, Herr, damit ich es in Freiheit erfülle?

Christus selbst antwortet uns: Veritas liberabit vos (Joh 8,32); die Wahrheit wird euch frei machen. Welche Wahrheit ist das, die einem ganzen Leben den Weg der Freiheit eröffnet und vollendet? Mit der Freude und der Gewißheit, die aus der Verbindung zwischen Gott und seinen Geschöpfen hervorgehen, will ich sie euch nennen: zu wissen, daß wir aus Gott stammen, daß wir von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geliebt werden, daß wir Kinder des erhabensten Vaters sind. Ich bitte unseren Herrn darum, wir möchten dessen ganz und gar innewerden, es Tag für Tag auskosten: dann werden wir als freie Menschen handeln. Und vergeßt nicht: Wer sich nicht als Sohn Gottes weiß, kennt nicht die innerste Wahrheit seines Seins, und es fehlen ihm in seinem Handeln die Würde und die Überlegenheit jener, die den Herrn über alles lieben.

Macht es euch klar: Um den Himmel zu gewinnen, müssen wir uns in Freiheit ganz an Ihn verdingen - mit der ungeteilten und beharrlichen Entschiedenheit des Willens. Aber die Freiheit genügt sich nicht selbst. Sie braucht einen Kompaß, der ihr die Richtung weist. Die Seele kann sich nicht bewegen ohne jemanden, der sie leitet. Und sie ist erlöst worden, damit sie Christus zum König hat, dessen Joch sanft und dessen Bürde leicht ist (Mt 11,30), und nicht den Teufel, dessen Herrschaft bedrückt (Origines, Commentarii in Epistolam ad Romanos, 5, 6 (PG 14, 1034-1035]).

Versagt euch den Trugbildern derer, die es bei dem traurigen Geschrei "Freiheit, Freiheit!" bewenden lassen. Oft verbirgt sich dahinter eine tragische Knechtschaft; denn sich für den Irrtum entscheiden befreit nicht; der einzige, der wirklich frei macht, ist Christus (Vgl. Gal 4,31), denn nur Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Vgl. Joh 14,6).

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