Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Die Spur des Sämanns > Hochmut > Kap 22
696

Die Eigenliebe mit Stumpf und Stiel ausrotten und die Liebe zu Jesus Christus einpflanzen: Das ist das Geheimnis aller Wirksamkeit - und des Glücks.


697

Du behauptest, daß du Ihm folgst. Aber in jeder Situation willst immer "du selbst" handeln, nach "deinen" Vorstellungen und allein mit "deinen" eigenen Kräften. - Und doch hat der Herr gesagt: "Sine me, nihil", ohne mich vermagst du nichts.


698

Mißachtet wurde, was du dein "Recht" nennst und was ich als dein "Recht auf Hochmut" übersetzt habe. Armer Kerl! - Der Gegner war ein mächtiger Mann, du konntest dich nicht wehren. Dir war, als hätte man dich hundertmal geohrfeigt. Und trotzdem lernst du es nicht, dich zu demütigen.

Jetzt sagt dir die Stimme deines Gewissens: Du bist hochmütig - und feige. Danke Gott dafür, daß du jetzt zu erkennen beginnst: es gibt auch deine "Pflicht" - "die zur Demut".


699

Ich, ich, immer wieder ich - das ist das einzige, was dich ausfüllt. - Und du wirst solange fruchtlos dich mühen, bis endlich Er, nur Er und Er allein dich erfüllt. Erst dann wirst du "in nomine Domini" arbeiten - im Namen und in der Kraft Gottes.


700

Wie willst du Christus nachfolgen, wenn du ausschließlich um dich selbst kreist?


701

Ein allzu ungeduldiger und hemmungsloser beruflicher Ehrgeiz kann manchmal die Eigenliebe mit dem Gewande vermeintlich "dienender Nächstenliebe" drapieren. Mit Raffinesse - kein i-Tüpfelchen nehme ich davon zurück! - erfinden wir uns Selbstrechtfertigungen wie etwa: ein solches Angebot dürfe man doch nicht leichtfertig ausschlagen, oder: jetzt lägen besonders günstige Umstände vor...

Blicke auf Christus: Er ist ja "der Weg". Auch Ihm boten sich während der Jahre seines verborgenen Lebens "besonders günstige" Umstände und "geeignete" Anlässe, um der Zeit seines öffentlichen Wirkens vorzugreifen; zum Beispiel als Zwölfjähriger im Tempel, wo Ihn die Gesetzeslehrer seiner Fragen und Antworten wegen bestaunten... Aber Jesus erfüllt den Willen des Vaters und wartet: Er gehorcht!

Sei unbesorgt, daß dein heiliger Eifer, die ganze Welt zu Gott hinführen zu wollen, verloren gehen könnte. Schleichen sich aber einmal ichhafte Ambitionen ein - möglicherweise Fluchtversuche! -, dann halte daran fest, daß auch du zu gehorchen hast. Diese glanzlose Arbeit im Verborgenen - sie ist deine Aufgabe, solange der Herr nicht etwas anderes von dir möchte: Er hat "Seine" Zeiten und "Seine" Wege.


702

Aufgeblasen und hochmütig ist, wer seine aufgrund von Reichtum, Herkunft, Stellung oder Intelligenz privilegierte Situation dazu mißbraucht, andere zu demütigen, die nicht mit solchen Gaben gesegnet sind.


703

Der Stolz wird, früher oder später, auch diesen "tollen Mann" vor seiner Umwelt demütigen - dann nämlich, wenn man ihn eines Tages als einen eitlen Hohlkopf durchschaut, als eine Marionette, an deren Fäden der Teufel selber zieht.


704

Aus Geltungsbedürfnis oder simpler Eitelkeit organisieren sich viele Leute selbst einen "schwarzen Markt", auf dem sie ihre eigenen Vorzüge künstlich im Wert hochzuschrauben versuchen.


705

Ämter... Hohe? Niedrige? - Was schert dich das?... Du versicherst ja, daß du gekommen bist, um nützlich zu sein, um zu dienen, immer in gänzlicher Verfügbarkeit. Verhalte dich dementsprechend.


706

Du schwätzt, du kritisierst... Man könnte meinen, ohne dich klappt nichts richtig.

Werde nicht böse, wenn ich dir sage, daß du dich wie ein arroganter Despot aufführst.


707

Wenn ein guter Freund dich unter vier Augen, loyal und brüderlich, auf gewisse unschöne Aspekte deines Verhaltens hinweist, bist du sogleich der Überzeugung, daß er im Irrtum ist: er verstehe dich nicht. Diese falsche Sicht rührt von deinem Stolz her und nimmt dir die Möglichkeit, besser zu werden.

Du tust mir leid: es fehlt dir an Entschlußkraft, die Heiligkeit zu suchen.


708

Gehässig, argwöhnisch, kompliziert, mißtrauisch, intrigant... All diese Bezeichnungen verdienst du, auch wenn sie dich kränken.

Ändere dich! Wieso eigentlich sollen immer die anderen die Bösen und du allein gut sein?


709

Du fühlst dich einsam... Du klagst ständig... Alles geht dir auf die Nerven. - Das kommt daher, daß dein Egoismus dich von deinen Brüdern und Schwestern isoliert und du dich Gott nicht näherst.


710

Immer diese Sucht, beachtet zu werden, und zwar möglichst mit "Pauken und Trompeten"... Vor allem aber: Immer der Wunsch, daß man auf dich mehr als auf die anderen achtet!


711

Warum witterst du in allem, was man dir sagt, Hintergedanken? Mit deiner Überempfindlichkeit setzt du ständig dem Wirken der Gnade Grenzen; denn sie erreicht dich ja - zweifle nicht daran - durch das Wort von Menschen, die nichts anderes wollen, als in ihrem Tun dem Ideal Christi zu entsprechen.


712

Solange du noch an der Überzeugung festhältst, alle anderen hätten nur für dich dazusein, solange du dich also nicht entschließt, wirklich dienen zu wollen - und das schließt auch ein, verborgen zu bleiben und zu verschwinden -, solange das so ist, wird der Umgang mit deinen Brüdern und Schwestern, Berufskollegen und Freunden ständig eine Quelle von Ärger und Mißmut sein - all das deines Hochmuts wegen.


713

Verabscheue die Prahlerei, lege die Eitelkeit ab, sage dem Stolz den Kampf an - jeden Tag, in jedem Augenblick!


714

Arme Opfer ihres eigenen Hochmuts! Sie quälen sich wegen tausenderlei Kleinigkeiten, die ihre Eigenliebe ins Riesenhafte vergrößert und die die anderen nicht einmal wahrnehmen.


715

Meinst du, die anderen wären niemals so jung gewesen wie du? Meinst du, sie hätten sich niemals als Minderjährige von der Familie vereinnahmt gefühlt? Meinst du, ihnen wären die kleinen oder größeren Probleme erspart geblieben, mit denen du dich jetzt herumschlägst? - Nein! Auch sie haben einmal dieselben Situationen durchgemacht, durch die du jetzt hindurch mußt, und sie sind herangereift, indem sie - mit Hilfe der göttlichen Gnade - beharrlich und ohne Selbstmitleid ihr Ich bezähmt haben. Wo es vertretbar war, sich anzupassen, haben sie sich angepaßt; wo das nicht möglich war, haben sie sich loyal verhalten, ohne Überheblichkeit, ohne Aggressivität, gelassen und demütig.


716

Rein theoretisch bist du sehr katholisch. Die Atmosphäre in unserem Hause, wo du zusammen mit anderen jungen Leuten lebst, sagt dir zu... Schade nur, daß die heilige Messe nicht um die Mittagszeit ist und daß die Vorlesungen und Kurse nicht nachmittags stattfinden und daß nicht nach dem Abendessen studiert wird, mit ein, zwei Glas Cognac! Deine Art von "Katholizismus" ist bloß Schau, ist einfach spießig.

Begreifst du nicht, daß man in deinem Alter nicht mehr so denken kann? Gib die Faulenzerei auf und deine Selbstverzärtelung! Nimm Rücksicht auf die Bedürfnisse deiner Mitmenschen, und stelle dich der Wirklichkeit, in der du lebst! Dann erst wirst du im Ernst katholisch sein.


717

"Dieser Heilige", sagte der Stifter des Altarbildes, "verdankt mir alles, was er ist."

Ein schlechter Scherz, denkst du wohl? O nein, auch du meinst, deinem Verhalten nach zu urteilen, Gott gegenüber deine Schuldigkeit getan zu haben, wenn du eine Medaille auf der Brust trägst und ein paar mehr oder minder routinehafte Frömmigkeitsübungen absolvierst.


718

Sie sollen meine guten Werke sehen!... - Merkst du nicht, daß du sie wie in einem Korb voller Ramschware zur allgemeinen Bewunderung auslegst?

Außerdem: vergiß nicht den zweiten Teil des Gebotes Jesu: "damit sie euren Vater im Himmel preisen".


719

"Mir selbst zugeeignet, mit der Bewunderung, die ich mir schuldig bin". - Das schrieb jemand als Widmung auf die erste Seite eines Buches. Dasselbe könnten viele arme Teufel auch auf der letzten Seite ihres Lebens eintragen.

Schlimm, wenn auch du und ich in dieser Haltung lebten oder stürben! - Prüfen wir uns also ernstlich...


720

Weder in Angelegenheiten der Kirche noch in denen der Menschen - deiner Brüder - darfst du jemals eine Haltung überheblicher Selbstherrlichkeit an den Tag legen. Dagegen kann die Selbstsicherheit da gefordert sein, wo wir bei unserem Engagement in der Gesellschaft die Ehre Gottes und das Heil der Seelen zu verteidigen haben. Das ist dann nicht Anmaßung, sondern jener Glaube und Starkmut, die wir im Leben gelassen, demütig und fest unter Beweis zu stellen haben.


721

Es ist töricht und wirkt peinlich und plump, wenn man in Anwesenheit des Betreffenden schmeichelhafte Bemerkungen über ihn macht oder seine guten Eigenschaften rühmt.

So etwas nährt leicht die Eitelkeit und kann dazu verführen, die Ehre Gottes, dem allein doch alles zu verdanken ist, zu schmälern.


722

Achte darauf, daß gerade auch deine guten Absichten immer von Demut begleitet sind. Denn nicht selten verbinden sie sich mit harten Urteilen, mit der Unfähigkeit, andere Meinungen gelten zu lassen, oder mit einem gewissen persönlichen oder nationalen oder korporativen Hochmut.


723

Werde nicht mutlos, wenn du deine Fehler siehst! Raffe dich auf!

Die geistliche, apostolische Unfruchtbarkeit ist weniger eine Folge der persönlichen Fehler - zumal dann nicht, wenn man sie bereut - als vielmehr des Hochmuts.


724

Du bist zu Fall gekommen... Steh auf und sei - mehr denn je, stärker denn je - voller Hoffnung! - Nur die Eigenliebe vermag nicht zu erfassen, daß die Fehler, die wir bereuen und bekämpfen, uns zur tieferen Selbsterkenntnis und zur Demut verhelfen.


725

"Wir taugen zu nichts"... Eine Behauptung, so pessimistisch wie falsch. Wer es nur will, kann mit der Gnade Gottes - die ja die fundamentale Voraussetzung für alles ist - sehr wohl als ein gutes Werkzeug bei vielen Unternehmungen dienen.


726

"Er kleidet sich mit der Haut des Teufels, mit dem Hochmut" - dieses harte, aber treffende Wort jenes gottliebenden Mannes über die Arroganz eines Zeitgenossen stimmte mich nachdenklich.

Gleichsam als Kontrast dazu wurde meine Seele von dem Wunsch erfüllt, mich "mit der Tugend zu kleiden", die Jesus Christus verkündete: "quia mitis sum et humilis corde", denn ich bin gütig und von Herzen demütig. Diese Tugend ist es, die die Fülle der Begnadung durch die Allerheiligste Dreifaltigkeit auf Maria, die Mutter Christi und unsere Mutter, herabgerufen hat. Demütig sein... Erkennen und empfinden, daß wir ein Nichts sind.


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