Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Die Spur des Sämanns > Natürlichkeit > Kap 17
554

Der auferstandene Christus... Nur einige wenige Menschen - die, die nach Gottes Plan nötig waren - werden Zeugen des größten aller Wunder...

Die normale Unauffälligkeit ist das Siegel der göttlichen Werke.


555

Arbeitet man einzig und allein zur Ehre Gottes, dann geschieht alles einfach und natürlich. Es ist, als ob man es eilig hätte und sich nicht mit großen "Demonstrationen" aufhalten könnte, damit der einmalige, unvergleichliche Umgang mit dem Herrn nicht verloren geht...


556

Aufgebracht fragtest du mich: Warum müssen Atmosphäre und Einrichtungen apostolisch arbeitender Zentren häßlich, ungepflegt... und so praxisfern sein? - Und dann sagtest du noch: Außerdem ist es ja auch keineswegs billiger!

Mir erschien dein Unmut sehr verständlich. Und ich überlegte, daß Jesus ja alle ansprechen und an sich ziehen wollte: Arme und Reiche, Gelehrte und Ungebildete, Frohe und Traurige, Alte und Junge... Wie liebenswert ist Er! Wieviel natürliche und übernatürliche Anziehungskraft Er hat!


557

Ohne Natürlichkeit keine Wirksamkeit! Mag ein Maler noch so begabt sein - was kann er mit einem Pinsel anfangen, den man in eine seidene Hülle steckt?


558

Die Heiligen sind ihren Mitmenschen immer "unbequem".


559

Heiligsein gleich Anormalsein?... Es ist an der Zeit, dieses Vorurteil auszurotten.

Mit der übernatürlich geprägten Natürlichkeit christlicher Aszese müssen wir neu verständlich machen, daß selbst mystische Phänomene keineswegs anormal sind: sie besitzen nicht anders als etwa psychische oder physiologische Vorgänge die ihnen eigene Normalität.


560

Ich sprach mit dir über die Perspektiven, die sich vor unseren Augen auftun, und über den Weg, den wir zu gehen haben. - Ich sehe da keine wirklichen Hindernisse! - sagtest du mir, fast verwundert darüber, daß alles so klar ist...

Präge dir das unverlierbar ein: Es darf auch keine Hindernisse geben!


561

Meide alberne Beflissenheit gegenüber dem Leiter, die du gelegentlich - vielleicht unbewußt - an den Tag legst, indem du dich auch in den belanglosesten Angelegenheiten regelmäßig zum Sprachrohr für seine Anliegen oder Ansichten machst.

Sei außerdem darauf bedacht, seine Schwächen nicht als bloße schrullige Einfälle hinzustellen. Das verführt zu einer Kumpanei, die seiner Autorität schadet, oder gar zu der Taktlosigkeit, ein Fehlverhalten als witzige Eigenart anzusehen. Du würdest ihm damit einen schlechten Dienst erweisen.


562

Du schaffst um dich ein Klima der Befangenheit, eine Atmosphäre des Mißtrauens und des Argwohns; wenn du sprichst, machst du den Eindruck eines Schauspielers: Jedes deiner Worte scheint im Hinblick auf die nächstfolgenden gesprochen, du setzt sie Zug um Zug...

Erinnere dich, wie das Evangelium die verschlagenen, heuchlerischen Pharisäer und Gesetzeslehrer schildert: die Fragen, die sie Jesus stellten, waren Fallen, "ut caperent eum in sermone", damit Er sich durch seine Antworten verfangen sollte.

Verabscheue solche Falschheit!


563

Natürliche Einfachheit hat nichts mit Grobheit, Schmutz, Ärmlichkeit oder schlechter Erziehung zu tun.

Manche Leute möchten unbedingt den Dienst für Christus auf die Welt der Slums und - pardon! - der Läuse beschränken. Den Ärmsten der Armen beizustehen, ist eine notwendige, eine bewundernswerte Arbeit. Bei ihr stehenzubleiben, hieße indes, die große Mehrheit aller anderen Menschen links liegen zu lassen. Vor allem aber: Was tun, nachdem die Bedürftigen aus ihrer Not befreit sind? Sie etwa ignorieren?


564

Du seist dazu unwürdig? Nun - dann bemüh dich eben, würdig zu werden. Und damit basta!


565

Was soll diese Sucht, in allem "außergewöhnlich" sein zu wollen? - Was dich gegenwärtig drückt, ist ganz "gewöhnlich"!


566

Selig bist du, weil du geglaubt hast - so preist Elisabeth unsere heilige Mutter. - Die Vereinigung mit Gott - das Leben der Gnade in uns - bewirkt immer eine anziehende Art, die natürlichen Tugenden zu üben: Maria trägt die Freude in das Haus ihrer Base, weil sie Christus "trägt".


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