Josemaría Escrivá Obras
 
 
 
 
 
 
  Die Spur des Sämanns > Leichtfertigkeit > Kap 16
532

Hält man sich klar und nüchtern das ganze Elend des irdischen Lebens vor Augen und betrachtet demgegenüber den ganzen Reichtum eines Lebens mit Christus, dann läßt sich meiner Überzeugung nach nur ein einziges Wort finden, das das Verhalten so vieler Menschen eindeutig kennzeichnet: Torheit, und abermals Torheit...

Es ist nicht nur so, daß wir - die meisten von uns - bloß im Irrtum befangen wären, nein, viel schlimmer: wir sind unverbesserlich dumm.


533

Es ist traurig genug, daß du nicht bereit bist, wie ein Quaderstein verborgen zu bleiben und so den Bau zu tragen. Aber dazu noch zu einem Stolperstein für die anderen zu werden, das halte ich für Bosheit!


534

Nimm keinen Anstoß daran, daß es schlechte Christen gibt, die sehr geschäftig sind, aber nicht praktizieren. Der Herr, so schreibt der Apostel, wird einen jeden nach seinen Werken belohnen: dich für deine, mich für meine Werke.

Wenn wir beide fest entschlossen sind, anständig zu leben, dann gibt es in der Welt schon zwei Schwindler weniger.


535

Solange du nicht gegen deine zügellose Denkweise angehst, gleicht dein Kopf einem Trödlerladen: nichts als Utopien, Illusionen und - altes Gerümpel.


536

Wenn du dich mit deiner frischen Art für die Sache Gottes einsetztest, so könntest du ein überzeugender, zupackender Christ sein.

Bis jetzt bist du leider nur ein leichtfüßiger, lustiger Vogel.


537

Deine grenzenlose Oberflächlichkeit erinnert mich an einen alten Scherz: "Da kommt ein Löwe!", schrien die Leute. "Na und?", meinte der arglose Naturfreund, "Ich fange doch nur Schmetterlinge!"


538

Eine schreckliche Mischung! Der unermüdlich tätige Ignorant...

Gib niemals dein Bemühen um Weiterbildung auf, auch wenn du schon vor Altersschwäche umfällst!


539

Die Ausrede des oberflächlichen Egoisten: "Es liegt mir nicht, mich für irgendetwas zu engagieren."


540

Du willst zwar nicht das Böse, aber das Gute willst du auch nicht. Und so, auf beiden Beinen hinkend, verfehlst du den Weg, und dein Leben bleibt "voll von Leere"...


541

"In medio virtus..." - Die Tugend liegt in der Mitte, sagt eine weise Sentenz, und gemeint ist damit, daß wir jeden Extremismus meiden sollen. Verfalle aber nicht in den Fehler, aus einem klugen Rat einen dummen Spruch zu machen, ihn als Ausrede zu nehmen für Bequemlichkeit und Schläue, für Lauheit und Oberflächlichkeit, für mangelnde Ideale und Spießigkeit.

Denke an die Worte der Heiligen Schrift: "Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien."


542

Niemals stößt du zum Kern einer Sache vor, immer bleibst du am Unwesentlichen hängen. Erlaube, daß ich dir mit einem Wort aus der Heiligen Schrift sage: dein ganzes Verhalten ist "in den Wind reden..."


543

Verhalte dich nicht wie der Zuhörer einer Predigt, der, anstatt die Belehrung auf sich selbst zu beziehen, feststellt: "Das wird dem Schmitz und dem Meier gut tun..."


544

Gelegentlich hört man die Meinung, eine Verleumdung sei nicht böswillig; sie sei so etwas wie eine Hypothese, mit deren Hilfe die Unwissenheit Unbekanntes oder Unverstandenes zu erklären sucht, um sich als Wohlinformiertheit ausgeben zu können.

Und doch liegt darin ja doppelte Bosheit: die Kopplung der Ignoranz mit der Lüge.


545

Rede nicht so verantwortungslos daher! Begreifst du nicht, daß, nachdem du "den ersten Stein geworfen" hast, andere im Schutz der Anonymität einen Steinhagel in Gang bringen?


546

Bist du es am Ende selbst, der solch eine unzufriedene Stimmung unter den Menschen seiner Umgebung schafft? Wenn ja, dann bist du, verzeih, nicht nur böse, sondern auch töricht.


547

Das wäre eine traurige Genugtuung, nach einem Unglück oder einem Mißlingen bloß feststellen zu können: "Ich habe es ja kommen sehen..."

Sie würde besagen, daß die Not eines Mitmenschen dir gleichgültig war. Andernfalls hättest du nämlich versuchen müssen, sie abzuwenden, wenn du dazu in der Lage warst.


548

Es gibt viele Arten, Verwirrung zu stiften. Eine davon ist, die Ausnahme zur Regel zu erheben.


549

Du sagst, du seist Katholik. - Aber du machst mir Kummer, weil ich sehe, daß deine Überzeugung nicht fest genug ist, aus dir einen tatkräftigen Katholiken zu machen mit einem Glauben ohne Vorbehalte und Brüche.


550

Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre! Ich meine die Naivität, mit der du aus Leichtfertigkeit, Unwissenheit, Minderwertigkeitskomplexen dem abgeschmacktesten Unsinn beipflichtest.


551

Beschränkte Köpfe, rücksichtslose Ellenbogenmenschen, Heuchler unterstellen allen anderen, diese seien so wie sie selbst... Und das Schlimmste dabei ist: sie behandeln sie auch so, als wäre ihre Annahme richtig.


552

Schlimm genug schon, wenn du "deine" Zeit vergeudest, denn sie gehört nicht dir, sondern Gott, den du verherrlichen sollst. Bist du aber darüberhinaus noch schuld, daß andere sie vergeuden, dann schadest du nicht nur deinem Ansehen, sondern hilfst noch dabei mit, Gott die Ihm geschuldete Ehre zu entziehen.


553

Dir fehlen die Reife und die Innerlichkeit eines Menschen, der sicher durch das Leben geht, weil er ein Ideal und ein Ziel hat.

Bete zu Maria, damit sie dich lehrt, Gott aus ganzer Seele zu preisen, ohne dich von allem und jedem ablenken zu lassen.


[Drucken]
 
[Senden]
 
[Palm]
 
[Speichern]
 
Sprachwechsel:
Zurück Weiter